13. Sep
2013

Fatale Job-Irrtümer II: „Gefühle haben im Job nichts zu suchen!“

Die einen wünschen sich, es würde endlich auch im Job mehr über Gefühle gesprochen, die anderen träumen von einer Business-Welt, in der man einfach sachlich Dinge feststellen kann, ohne danach eine enttäuschte Mail von einem Kollegen zu bekommen, der sich auf die „Füße getreten“ fühlt.

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Das eigene Verhalten beobachten

Das Business-Leben ist kein Wunschkonzert: Wir sollten weder ausblenden, dass Gefühle auch im Job eine Rolle spielen, noch ist es ein guter Ansatz, ab sofort intensive Gefühlsgesprächskreise unter Kollegen einzuführen.

Was wir aber tun können, ist zu akzeptieren, dass wir auch im Business-Kontext keine gefühllosen Roboter sind, andere Menschen anders ticken als wir und unterschiedliche Bedürfnisse haben. Hieraus sollten wir vor allem erst einmal persönliche Konsequenzen ziehen, bevor wir mit dem Finger auf andere zeigen.

Hören Sie sich oft sagen: „Ich habe das rein sachlich gemeint!“, wenn ein Kollege sich von Ihnen kritisiert fühlt und sensibel reagiert? Dann ist ein bewussterer Umgang mit Gefühlen mit großer Wahrscheinlichkeit ein spannendes Thema für Sie. Genau das gleiche gilt, wenn Sie sich oft sagen hören: „Wie hat er/sie das denn wieder gemeint? Das ist doch ein versteckter Vorwurf!“ Auch hier könnten Sie einmal genauer hinschauen.

Welcher Persönlichkeits-Typ sind Sie?

Es gibt viele Persönlichkeitsmodelle, die von Coaches oder Trainern verwendet werden. Die meisten fußen auf Fritz Riemann und seinem Grundlagenwerk „Grundformen der Angst“. Mit diesem Modell, ergänzt von Thomann in den 1980ern, arbeitet yuii beispielsweise intensiv in Konfliktmanagement- und Kommunikationstrainings.

Riemann unterscheidet vier Persönlichkeitstypen in Reinform. Wir alle haben aber Anteile jedes (!) Typen in uns.

1. Den Nähe-Typ

2. Den Distanz-Typ

3. Den Dauer-Typ

4. Den Wechsel-Typ

Bei den meisten Menschen sind nun ein oder zwei – nennen wir sie Bedürfnisse – besonders ausgeprägt: Entweder das Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit, Harmonie und Bestätigung durch andere (Nähe-Typ) oder das Bedürfnis nach klarer Abgrenzung, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit (Distanz-Typ). Entweder das Bedürfnis nach Sicherheit, Ordnung und Kontrolle (Dauer-Typ) oder das Bedürfnis nach Flexibilität, Zwanglosigkeit sowie Kreativität (Wechsel-Typ).

Ein Plädoyer für mehr Eigenverantwortung

Wenn es um Gefühle geht, ist es interessant zu schauen, wie viele Anteile des Nähe bzw. Distanz-Typen Sie in sich haben. Sind Sie (eher) ein Nähe-Typ? Dann nehmen Sie Dinge wahrscheinlich grundsätzlich immer etwas zu persönlich. Sind Sie eher ein Distanz-Typ? Dann berücksichtigen Sie die Gefühle Ihrer Kollegen wahrscheinlich grundsätzlich etwas zu wenig, zeigen sich nicht empathisch genug.

Stellen Sie sich die Gefühlsfrage und seien Sie gnädiger!

Fangen Sie zunächst bei sich an, die „Gefühlsfrage“ zu stellen, bevor Sie sauer oder enttäuscht auf Kollegen und deren Aussagen oder Mails reagieren. Und suchen Sie nach Mustern, die sich scheinbar immer wiederholen. Sprich, wenn Kollegen sich von Ihnen regelmäßig auf die „Füße getreten“ fühlen, dann könnte das sehr gut daran liegen, dass Sie ihnen – unbewusst –  auch auf die Füße treten. Dass um Sie herum nur hypersensible Kollegen oder Geschäftspartner arbeiten, ist unwahrscheinlich. Das gleiche gilt umgekehrt.

Das Wissen um Persönlichkeitsmodelle hilft auch, etwas gnädiger mit ausgeprägten Nähe- oder Distanztypen umzugehen. Denn am Ende des Tages meinen die es tatsächlich nicht „persönlich“ in Bezug auf Sie. Sie artikulieren eher ein „persönliches Bedürfnis“.

 

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