03. Jun
2013

Hilfe, ich improvisiere!

Wenn wir das Wort Improvisation hören, verbinden wir das im Allgemeinen mit netten Erinnerungen an lustige Theaterstücke, schönen Abenden im Jazz-Club oder allenfalls noch mit einem Comedy-Auftritt im Fernsehen. Alles nette Assoziationen, die weder unangenehme noch persönlich relevante Gefühle hervorrufen. Anders ist dies jedoch, wenn Improvisation im Bildungs- oder Arbeitsalltag zur Sprache kommt. Dann ist die Assoziation meist eher mit schwitzenden Händen, Blackouts und Angst verbunden. Improvisation erleben ist also angenehm, selbst improvisieren aber nicht… Oder?

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Probleme kreativ lösen

Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück und sehen uns an, was Improvisation eigentlich genau ist. Der wesentliche Charakterzug von Improvisation ist die spontane und unvorbereitete Reaktion auf eine Situation. Die Tatsache, dass solch eine überraschende Situation für geübte Theaterleute, Jazzmusiker oder Comedians also willkommenes Futter ist, um kreativen Output zu produzieren, sollte uns zu denken geben. Denn was ist in der Wirtschaft schon vorhersehbar? Bewegliche Märkte, schnell wachsende Unternehmen, ständig neue Technologien und Kommunikationsgewohnheiten. Unternehmen profitieren vom flexiblen Umgang mit Risiken, spontanen Reorganisationsmöglichkeiten und dynamischen Reaktionen auf den Markt und die Kunden. Kreativität ist immer auch ein Wettbewerbsvorteil. Grund genug, das Improvisieren bestmöglich zu beherrschen – oder zu lernen.

Improvisation als Trainingsmethode

Improvisation kann als Trainingsmethode Mitarbeiter zu genau diesen dynamischen Problemlösern machen, die gebraucht werden. Mitarbeiter lernen mit Hilfe von Spielen und Übungen der angewandten Improvisation in einer kreativen Atmosphäre, die Spaß macht. Zu den Methoden des Improvisationstheaters zählen zum Beispiel der Perspektivwechsel („Switch & Change“), den man hervorragend dafür nutzen kann, um ein neues Verhalten bei Konflikten, in Feedbackgesprächen, Verhandlungssituationen oder anspruchsvollen Meetingsituationen zu trainieren. Auch das aus dem Improvisationstheater stammende Konzept des „Status“ wird eingesetzt, um an der körpersprachlichen und stimmlichen Präsenz in Meetings oder Präsentationssituationen, im Rahmen eines Präsentationstrainings, zu arbeiten.

Für die meisten Menschen sind die Improvisationsübungen ganz neu und damit eine unbekannte Selbsterfahrung, die nach kurzer Zeit sehr viel Freude bringt. Der Spaß ist dabei jedoch kein Selbstzweck, denn – und das ist wissenschaftlich belegt – mit Spaß lernt es sich nachhaltiger und Inhalte bleiben länger im Gedächtnis. Positive Gefühle erleichtern den Lernerfolg, die Teilnehmer öffnen sich schnell, werden locker und bauen rasch Vertrauen zu Trainern und der Gruppe auf. Ganz ohne feuchte Hände.

Image courtesy of chanpipat / Freedigitalphotos.net

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